Wir sind nicht erpressbar! – Kommentar zur Türkei –

Was will Erdogan? Muss man die Festnahme von zwei Deutschen in Antalya wirklich als Geiselnahme interpretieren, wie es Cem Özdemir tut? Glaubt der türkische Präsident ernsthaft, er könne damit die Überstellung von Türken erreichen, die er der Teilnahme am Putsch beschuldigt und die in der Bundesrepublik um Asyl nachgesucht haben? Eine Art Gefangenenaustausch, der Deutschland vor aller Welt als Staat erscheinen ließe, der erpressbar ist und unter Druck seine Werte und sein Rechtssystem preisgibt? Welch ein Irrtum. Solche Deals lassen sich möglicherweise mit Trump oder Putin machen.

Deutschland muss und wird anders reagieren: Stopp der Verhandlungen über eine Ausweitung der Zollunion mit der EU und eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Beides wird den unter abstrusen Vorwürfen festgehaltenen Gefangenen zunächst nichts nützen. Aber es wird die Türkei wirtschaftlich treffen und damit mittelfristig Erdogans Anhängerschaft reduzieren. Es muss wohl alles erst noch schlechter werden, bevor es wieder besser werden kann. Unterdessen sollte die deutsche Seite alle Gesprächskanäle offen halten, die Zivilgesellschaft unterstützen und alles tun, um Konflikte unter türkischstämmigen Bürgern hierzulande einzudämmen.

Quelle: ots
Kommentar von Harald Ries (Westfalenpost)

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