„Report Mainz“: Auch niedrige Stickstoffdioxid-Werte verursachen bis zu 8.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in Deutschland

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In einer Studie des Umweltbundesamtes, die dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ exklusiv vorliegt, wurde nach Angaben der Forscher erstmals flächendeckend für Deutschland untersucht, welche gesundheitlichen Schäden durch Stickstoffdioxid verursacht werden können. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass auch sehr geringe NO2-Konzentrationen, wie in ländlichen Gebieten, gravierende gesundheitliche Folgen haben können – und zwar auch weit unterhalb des gültigen Jahresmittel-Grenzwertes von 40 µg/m³ Luft. Laut der Studie treten vorzeitige Todesfälle bereits ab einer längeren Stickstoffdioxid-Konzentration von rund 10 µg/m³ Luft auf. Dieser Wert wird jedoch in Deutschland selbst in ländlichen Gebieten oft überschritten.

6.000 bis 8.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr seien allein auf Herzkreislauferkrankungen zurückzuführen, die durch Stickstoffdioxid ausgelöst wurden. In verkehrsreichen Gegenden und Ballungszentren seien die gesundheitlichen Schäden durch NO2 noch deutlich größer, betonen die Forscher. Nach Angaben der Forscher könnten noch weitere tausende vorzeitige Todesfälle hinzukommen, die durch andere Krankheiten entstehen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch Schlaganfälle, Lungenerkrankungen wie Asthma oder Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie auch Diabetes durch Stickstoffdioxid ausgelöst oder verschlimmert werden können. Allerdings ist bei diesen Erkrankungen der Zusammenhang mit Stickstoffdioxid nicht so stark durch Studien belegt, wie bei den Herzkreislauferkrankungen.

Im Rahmen der Studie wurden zudem drei sogenannte „Modellregionen“ untersucht: Berlin, München und Brandenburg. Dort wurde der Zusammenhang zwischen der lokalen Stickstoffdioxid-Konzentration und den dortigen Krankheitsfällen genauer unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler zeigen auf, dass in höher belasteten Ballungsgebieten die vorzeitigen Todesfälle noch deutlich höher liegen. Hier kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die gesundheitlichen Schäden durch Stickstoffdioxid in München am größten sind, gefolgt von Berlin und Brandenburg. In verkehrsreichen Gegenden und Ballungszentren seien die gesundheitlichen Schäden durch NO2 noch deutlich größer, betonen die Forscher.

Die Studie wurde bereits Ende Mai 2017 fertig gestellt, bisher aber nicht veröffentlicht. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher des Umweltbundesamtes, dass es noch keinen Termin für die öffentliche Vorstellung der Studie gebe.

Lungenexperten unter anderem der ERS (European Respiratory Society) haben immer wieder auf die Gefährlichkeit von Stickstoffdioxid hingewiesen. In einer Stellungnahme der ERS heißt es: „Der Zusammenhang zwischen kurzfristiger Exposition mit Stickstoffdioxid und erhöhter Sterblichkeit, Krankenhauseinweisungen sowie einem erhöhten Risiko für bestimmte Atemwegserkrankungen ist wissenschaftlich belegt. Neuere epidemiologische Studien liefern darüber hinaus immer mehr Belege für den Zusammenhang von Langzeitexposition gegenüber NO2 mit Lungenerkrankungen und vorzeitiger Mortalität.“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert seit längerem die Überschreitung der gültigen Jahres-Grenzwerte bei Stickstoffdioxid (40 µg/m³ Luft) in deutschen Städten und fordert daher Fahrverbote für bestimmte Dieselfahrzeuge. Ob diese Fahrverbote rechtlich zulässig sind, darüber wird an diesem Donnerstag vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt.

Quelle: ots („Report Mainz“ – SWR)

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