14.03.2018

Ermittlungen gegen rechtsextreme Hooligans nach Prag-Spiel komplett versandet

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Gut sechs Monate nach dem Fußball-Länderspiel in Prag sind sowohl in Deutschland als auch in Tschechien alle Ermittlungen gegen die rechtsradikalen Störer versandet. Das geht aus Recherchen der WDR-Sendung „Sport inside“ (Mittwoch, 14.3.2018, 22.55 Uhr) hervor. Der zuständige Düsseldorfer Oberstaatsanwalt Patrick Rieck bestätigte gegenüber der WDR-Sendung, dass es bis heute nicht gelungen sei, Beschuldigte anhand der vom DFB zur Verfügung gestellten 9 Gigabyte Videomaterial namentlich festzustellen und etwaigen Beschuldigten eine konkrete Straftat nachzuweisen. Gestern teilte das zuständige Referat der Polizeidirektion Prag „Sport inside“ mit, dass der Fall gemäß § 159a/5 der Strafprozessordnung eingestellt worden sei. Es sei, so die tschechischen Behörden weiter, nicht möglich gewesen, „die Tatsachen festzustellen, die die Einleitung einer Strafverfolgung gegen eine bestimmte Person rechtfertigen würden“.

Bei dem WM-Qualifikationsspiel Tschechien gegen Deutschland am 1. September 2017 in Prag hatten rund 250 vorwiegend rechte deutsche Hooligans im Stadion Pyrotechnik gezündet, den DFB sowie Spieler der Nationalmannschaft beleidigt und verfassungsfeindliche Symbole verwendet. Konkret kamen aus dem Block der Hooligans und Rechtsradikalen „Sieg Heil“ – Rufe, was in Deutschland und Tschechien als Straftat gilt.

Nur wenige Monate vor der WM in Russland befürchten nun Kritiker, dass durch die versandeten Ermittlungen das Signal der Straffreiheit für randalierende Fans im Ausland in die Szene gewaltbereiter und rechtsradikaler Hooligans gesendet werde. „Die Signalwirkung, dass es keine adäquate Strafverfolgung gab, ist eine schlechte, weil es nahe legt, dass solche Dinge wieder passieren können und dass solche Dinge nicht bestraft werden“, sagt Robert Claus, Experte für Rechtsextremismus im Sport. Dass deutsche „Problemfans“ zur WM nach Russland reisen, gilt als wahrscheinlich. Im Internet kursieren Videos, auf denen sich deutsche Hooligans bereits auf das Turnier in Russland vorbereiten. „Russland ist in Reichweite. Es gibt etablierte Netzwerke von deutschen Hooligans mit Hooligans aus der Ukraine, aus Ungarn, aus Polen und auch aus Russland“, so Claus weiter bei „Sport inside“.

In Deutschland ist die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf für die Identifizierung deutscher Fußball-Straftäter im Ausland zuständig. Das Sonderdezernat wurde nach der WM 1998 in Frankreich gegründet, wo deutsche Hooligans den französischen Polizisten Daniel Nivel schwer verletzt hatten.

Einen Beitrag zum Thema sendet der WDR in der Sendung Sport inside am Mittwoch, 14.3.2018, ab 22.55 Uhr.

Quelle: ots (WDR Westdeutscher Rundfunk)

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