Affäre Özil: Erdogan ist der Gewinner – Kommentar –

Noch keine Stimmen.
Bitte warten...

Die Affäre um Mesut Özil endet, wie sie begonnen hat. Mit großer Heuchelei. Einer der besten und bekanntesten deutschen Fußballprofis erklärt ernsthaft, sein Treffen mit Erdogan hätte nichts mit Politik zu tun gehabt. Ist Özil wirklich so naiv oder hält er uns für dumm? Ein Nationalspieler, der kurz vor den Präsidentschaftswahlen den Sultan vom Bosporus hofiert, ist nicht privat unterwegs. Bilder sind Worte. Özil huldigte einem De-Facto-Diktator, der Andersdenkende einsperrt, freie Meinungen unterdrückt und zwei Jahre lang sein Land im Ausnahmezustand gehalten hat, um seine persönliche Macht auszubauen.

Was sagen eigentlich Deniz Yücel und Dutzende andere  inhaftierte Journalisten zu den Äußerungen Özils, deutsche Medien hätten mit ihrer Kritik an seinem Verhalten „rechte Propaganda“ betrieben? Seine Mutter habe ihn gelehrt, nie zu vergessen, wo er herkomme, sagt Özil.

Wer hat verlangt, dass er seine Herkunft leugnen soll? Man kann sein Land lieben, seine Familie ehren, seine Heimat wertschätzen und trotzdem auf Fotos mit einem Politiker wie Erdogan verzichten. Emre Can hat es ja gezeigt.  Die Türkei ist ein großartiges Land, mit einzigartiger Kultur und außergewöhnlich gastfreundlichen Bewohnern. Erdogans Politik bleibt trotzdem das Gegenteil von dem, wofür liberale Demokratien wie Deutschland einstehen.

Die Freiheiten, die es Özil erlauben, aus seinen begnadeten fußballerischen Fähigkeiten Wohlstand und Sicherheit zu ziehen, kennen Zehntausende seiner Landsleute nur vom Hörensagen. Özil fragt, warum er, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, nicht als Deutscher akzeptiert werde. Traurig, wenn er so denkt. Özil wurde gefeiert und geliebt von Millionen Deutschen. Biodeutschen oder Deutschen mit Migrationshintergrund. Fans kauften Trikots mit seinem Namen und horrend teure Eintrittskarten, um seine Pässe zu sehen. Er ist ein Vorbild für Millionen Türkischstämmige in diesem Land. Ein Volksheld. Erst das Foto mit Erdogan hat Özil wirklich scharfe öffentliche Kritik eingebracht. Kann er das nicht einfach akzeptieren? Das gehört eben in einer freien Gesellschaft dazu. Warum akzeptiert er nicht, dass unsere demokratischen Werte sich von Erdogans Ansichten fundamental unterscheiden. Die Reaktion des türkischen Justizministers, der Özils Erklärung als Angriff auf den „faschistischen Virus“ in Deutschland lobte, zeigt, wer der einzige Gewinner in dieser Affäre ist: Erdogan und seine Truppe.

Infam und falsch ist die Aussage, deutsche Medien hätten Özils spielerische Leistungen wegen seiner Herkunft kritisiert. Özil wurde kritisiert, weil er als prominenter Botschafter Deutschlands einem zwielichtigen Autokraten geholfen hat. Später wurde er für seine lieblose Spielweise kritisiert. So wie jeder andere Nationalspieler auch. Özil stand im Fokus, weil bei ihm das Missverhältnis zwischen Leistung und Potenzial so krass war. Das Erdogan-Foto und seine WM-Leistungen sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.   Eine Bitte. Können wir uns in diesem Land mal darauf einigen, dass nicht jede Kritik an einem Menschen mit Migrationshintergrund Rassismus ist. Wann versteht das die politische Linke, die sich reflexartig echauffierte und genau das Spiel betreibt, das Erdogan will: die türkische Gemeinde aufzuhetzen.

Die SPD-Politiker Barley und Schäfer-Gümbel fallen darauf herein und hauen jedem Özil-Kritiker die Rassimus-Keule um die Ohren. Sicher: Auch über die Rolle des Präsidenten-Darstellers Grindel und des (Selbst-)-Vermarktungskünstlers  Bierhoff wird zu diskutieren sein. Aber jetzt gerade geht es um Özils Erklärung. Und die wimmelt nur so von falschen Behauptungen und Unterstellungen. Ein Satz ist allerdings richtig. Der letzte: „Rassismus sollte niemals akzeptiert werden.“ Stimmt. Der Kampf gegen den Rassismus muss geführt werden. In Schulen und Kitas, in Betriebskantinen und Konferenzen. Täglich. Immer wieder. Nur wen meint Özil? Ich akzeptiere Rassismus nicht. Die Rheinische Post auch nicht. Die deutschen Medien auch nicht. Auch der DFB nicht. Es gibt aber mindestens einen lupenreinen Rassisten, der Minderheiten unterdrückt und verfolgen lässt. Kurden, Christen, Homosexuelle. Er heißt Erdogan.

Quelle: ots
Kommentar aus Rheinische Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.