Tote-Hosen-Sänger Campino reist im Gummi-Anzug

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Punk-Sänger Campino (56) schlüpft auf Reisen in eine Ganzkörper-Socke: „Es gibt so eine Art Gummi-Anzug, in den ich mich vor Interkontinentalflügen zwänge“, sagte er im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Viele Sportler benutzen sowas ebenfalls, weil es den Kreislauf anregt und man nach einem Zwölf-Stunden-Flug fitter ankommt. Das ist wie eine Thrombose-Socke für den ganzen Körper. Nicht gerade sexy, aber effektiv.“ Die Kluft zieht er bewusst erst auf der Flughafen-Toilette an: „Wir würden die Anzüge nie irgendjemandem zeigen, weil wir darin wie eine Gymnastik-Gruppe aussehen.“

Einen Image-Schaden fürchtet Campino nicht; stattdessen monierte er die Abgrenzungsgesten der Szene: „Wir waren innerhalb unserer Grenzen auch Spießer, Punk-Spießer, die sich selbst alles Mögliche verboten haben. Als Punk im Tennis-Club? Unmöglich! Tennis habe ich erst vor kurzem zum ersten Mal in meinem Leben gespielt. Und es ist großartig!“, sagte Campino. „Wir waren wie eine Sekte und haben streng nach den Gesetzen der Punkszene gelebt“, gestand er selbstkritisch. „Durch unsere Abkapselung hatte ich jahrelang unglaublich viel gute Musik verpasst: Johnny Cash, die Beatles, auch die Rolling Stones. Die Größe der Doors, Led Zeppelin – das habe ich alles eigentlich zu spät, aber dann doch sehr intensiv entdeckt.“

In einer Casting-Show wird man ihn allerdings nie sehen: „Für ziemlich jede Show, die du im Fernsehen siehst, bin ich irgendwann einmal angefragt worden“, sagte er. „Wir wären in jedem Nachwuchswettbewerb durchgefallen und sind trotzdem was geworden. Ich bewerte keine Kollegen, und jeder der unter der Dusche singt, ist für mich ein Kollege. Was mir gefällt, feiere ich ab. Als Fan. Ansonsten halte ich mich raus.“

Seiner Band schwört der Musiker Treue bis ins Grab: „Mittlerweile ist mir klar, dass – egal, was noch kommt – das Projekt Tote Hosen das Wichtigste in meinem Leben ist, alles andere ordnet sich dem unter“, sagte Campino. Das geht so weit, dass er das Gemeinschaftsgrab der Band einer familiären Grabstelle vorzieht – auch wenn das die ewige Ruhe jenseits der eigenen Partnerin bedeutet: „Was soll ich machen? Ich habe den Jungs ein Versprechen gegeben. Drei Weggefährten liegen dort schon. Es wäre mies von mir, wenn ich jetzt noch einen Rückzieher machen würde und mich woanders hinlege.“

Quelle: ots (Neue Osnabrücker Zeitung)

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