21.10.19 bis 30.10.20

Faktencheck rund um die Papiertragetaschen: Sind Papiertüten wirklich schädlich für die Umwelt?

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Wissenswertes rund um den „European Paper Bag Day“. An diesem Tag soll europaweit das Verbraucherbewusstsein für Papiertragetaschen als nachhaltige und effiziente Verpackung der Zukunft gestärkt werden.

Der Industrieverband Papier- und Folienverpackung hat dazu einen umfangreichen Faktencheck erstellt:

Umweltfreund oder Umweltfeind? Wie nachhaltig sind Papiertüten wirklich? Der Gebrauch von Papiertragetaschen ist auch Bestandteil der aktuellen Müllvermeidungsdebatte. Dabei müssen die Hersteller sich leider mit unsachlichen oder verkürzt dargestellten Sachverhalten auseinandersetzen, die weder den Fakten entsprechen, noch für den Umweltschutz zielführend sind oder zu nachhaltigem Verhalten führen. Betroffen sind fast eine Viertelmillion Personen in Europa welche in der Papierindustrie angestellt sind, davon weit über die Hälfte im ländlichen Raum.

Zusammenfassend kann man feststellen:

– Papiertragetaschen sind kein Wegwerfgut – Papiertragetaschen
können problemlos mehrfach genutzt werden.
– Bei den Bilanzgrößen Klimarelevanz und kumulierter
Energieaufwand haben Papiertragetaschen Vorteile.
– Die Belastung durch Littering (das ungeordnete Wegwerfen von
Verpackungen ohne vorheriges Sortieren) in Deutschland ist kein
Entsorgungs- sondern ein Kommunikationsproblem.
– Trotz Littering ist festzuhalten, dass Papiertüten wenig
belastend für die Umwelt sind.
– Ordnungsgemäße Entsorgung führt zur mehrfachen Wiederverwertung
der Papierfasern.
– Das deutsche Entsorgungs- und Verwertungssystem gilt weltweit
als vorbildlich -Verpackungsmittel aus Papier haben die höchste
Recyclingquote in Deutschland (75 Prozent).

Faktencheck rund um das Thema Nachhaltigkeit von Papiertüte

Papiertragetaschen schmeißt man nicht weg!

Kunden greifen vor allem deswegen zu Papiertragetaschen, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, sowohl mehrfach verwendbar als auch problemlos wiederverwertbar sind. Deshalb: Entgegen häufiger Darstellung, sind Papiertragetaschen kein Wegwerfgut. Eine Papiertragetasche kann ebenso wie eine Tragetasche aus anderen Materialien vielfach wiederverwendet werden. Wie bei allen Konsumgütern, ist hier vor allem das Konsumverhalten und die Anwendung ausschlaggebend. Aber selbst bei der Einmalnutzung, so eine Feststellung der Bundesregierung unter Berufung auf die Erkenntnisse des IFEU-Instituts, liefert die Papiertragetasche gute ökologische Kennzahlen. Papierprodukte spielen deshalb eine aktive Rolle in dem 5-Punkte-Plan des Bundesumweltministeriums „Nein zur Wegwerfgesellschaft“, in dem Stoffkreisläufe durch kluges und hochwertiges Recycling geschlossen werden.

Verpackungsmittel haben die höchste Recyclingquote

Die Recyclingquote für Papier und Pappe erreicht in Deutschland laut Umweltbundesamt mit 75 Prozent einen Spitzenwert. Papiertragetaschen werden am Ende ihrer Nutzungszeit in der Kreislaufwirtschaft wieder wertvolles Rohmaterial.

Europaweit konnte über den Zeitraum von 1991 bis 2012 die Recyclingrate von 40 Prozent auf 72 Prozent erhöht werden. Vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung und weiterhin steigendem Umweltbewusstsein, hat sich diese Tendenz in den letzten Jahren noch verstärkt. Der Anteil von bereits recyceltem Papier bei Papiertragetaschen wächst ebenso ständig. Europa ist damit Spitzenreiter in der Papierrecyclingrate, weltweit beträgt diese aber immerhin auch noch sehr gute 58 Prozent. Der Monitoring Report 2017 der European Declaration on Paper Recycling (2016 -2020) verweist darauf, dass durchschnittlich jede Papierfaser 3,6-mal wiederverwertet wird. Nach neuesten Erkenntnissen der Forschung sind Papierfasern übrigens schier unbegrenzt recycelbar. Frühere Untersuchungen gingen von einer möglichen siebenfachen Wiederverwertung aus. Widerlegt hat das jetzt die TU Darmstadt. Demnach sind Recyclingzyklen von Papierfasern nahezu unbegrenzt.

Seit 1990 ist der CO2 Ausstoß pro Tonne in der Papierproduktion um 43 Prozent reduziert worden. Die Tendenz ist weiterhin sinkend. Oft werden hier falsche Zahlen genannt, bei denen das in Bäumen enthaltene CO2 mitberechnet wird. Da die Bäume aber nachgepflanzt werden, ist das ein Nullsummenspiel.

Littering ist kein Entsorgungs – sondern ein reines Kommunikationsproblem

Der IPV und seine Mitglieder bekennen sich zur Förderung zielgerichtete Maßnahmen für den Umweltschutz. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, das Bewusstsein für nachhaltiges Konsumverhalten – inklusive Entsorgung – weiter zu sensibilisieren. Nicht nur in Deutschland, sondern auch im internationalen Umfeld. Ziel muss es sein, insbesondere dort wo bislang noch erhebliche Defizite zu beobachten sind, Wertstoffkreisläufe zu implementieren, damit die Wertstoffe nicht in der Landschaft und in den Meeren landen, sondern wie in Deutschland gesammelt und wiederverwertet werden. Leider werden auch Produkte aus Papier und Karton achtlos in der Natur entsorgt. Dies sieht nicht nur unschön aus, es entzieht auch dem Recycling-Kreislauf wertvolle Ressourcen. Es ist dennoch festzuhalten, dass Papiertragetaschen fast vollständig aus Holzfasern bestehen und somit biologisch unproblematisch abbaubar sind.

Nachwachsender Rohstoff für eine nachhaltige Zukunft

Neben Altpapier und Rezyklat wird Zellstoff, ein natürlich nachwachsender Rohstoff, bei der Papierherstellung eingesetzt. Das verbessert die Ökobilanz der Papiertüte zusätzlich. Denn die nachwachsenden Wälder entnehmen der Umwelt CO2. Der Zellstoff, der als Rohstoff für Papiertragetaschen verwendet wird, stammt zum überwiegenden Teil aus kontrolliert nachhaltiger Forstwirtschaft. Die deutsche Papierindustrie bezieht ihre Rohstoffe aus nachhaltigen Forstwirtschaften, bei denen für jeden geschlagenen Baum drei bis vier Bäume nachwachsen. Die Welternährungs und Landwirtschaftsorganisation (FAO) berechnet den Waldzuwachs auf der Nordhalbkugel mit fünf Prozent im Jahr. In Europa haben sich in den vergangenen 20 Jahren die Wälder ausdehnen können und absorbieren dementsprechend auch mehr Kohlendioxid. Der Einsatz von Papier aus einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder verhindert dabei in vielen Ländern die unkontrollierte Abholzung dieser Bestände zugunsten von Agrarflächen.

Wasser und Bedruckung in der Papierproduktion

Auch dieser Produktionsprozess erfolgt nachhaltig. Der spezifische Energieverbrauch zur Herstellung von Papier und Karton hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verringert. So werden aktuell 56 Prozent der in Europa für die Papierherstellung eingesetzten Energie aus Biomasse gewonnen. Allein in den skandinavischen Ländern stammt über zwei Drittel der Energie aus regenerativen Energiequellen. Zur Papierherstellung wird Wasser benötigt. Aber es wird nicht verbraucht, sondern nach der Benutzung und Klärung wird es wieder neu eingesetzt. Die meisten Papierfabriken verfügen über eigene Kläranlagen vor Ort. 93 bis 97 Prozent des Wassers wird so direkt wieder dem Kreislauf zugeführt. Tatsächlich wird fast gar kein Wasser für die Herstellung von Papier verbraucht. Denn nach Verdunstung oder Recycling wird annähernd 100 Prozent des eingesetzten Wassers wiederverwendet. Nur ein minimaler Anteil bleibt dauerhaft im Produkt gebunden.

Wie kommt dann die Aussage zustande, dass 10 Liter Wasser pro Kilogramm Papier benötigt wird?

Das Wasser wird mehrfach im Kreislauf genutzt und Wasser, das verdunstet oder sich im Klärprozess befindet, wird natürlich direkt ersetzt, um den Produktionsprozess nicht zu unterbrechen. Die Literangabe ist die gerechnete Menge Wasser, die für die Herstellung eines Kilogramms gebraucht wird – nicht verbraucht. Tatsächlich gibt es auch keine Einheitswerte. Auch sagt der Wassergebrauch nichts über die Nachhaltigkeit der Produktion aus. Die meisten Papierfabriken befinden sich an Seen und Flüssen, wo die zeitweilige Entnahme keinen Einfluss auf Fauna und Flora hat.

Der Umweltaspekt setzt sich auch in der für die Werbewirksamkeit wichtigen Bedruckung der Papiertragetaschen fort. Die deutschen Hersteller von Papiertragetaschen verwenden zu 100 Prozent wasserbasierte Druckfarben. Auch das spricht für die nachhaltige Arbeitsweise der Branche.

Text-Quelle: ots (SIEGBERG Kommunikation)
Bild-Quelle: ots (IPV Industrieverband Papier- und Folienverpackung e.V. – Martin Andersson)