Dieter Nuhr: Als Messdiener den Zungenkuss gelernt

05.07.20 dauer

Kabarettist Dieter Nuhr (60) hat als Messdiener seine „erste Bühnenerfahrung“ gesammelt. „Eigentlich bin ich kein Mensch, der von Natur aus auf die Bühne drängt, sondern musste dazu überredet werden. Als Beamtenkind hatte ich gar nicht in Betracht gezogen, dass so etwas möglich ist“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Das Wichtige an der Messdienerschaft sei für ihn gewesen, dass es da ein Gemeindeheim gab: „Als ich elf oder zwölf wurde, war das eine Art Refugium für mich, da wurde Flaschendrehen gespielt, da lernte ich das Prinzip des Zungenkusses kennen. Das war prima.“

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Auch wenn der Katholizismus ihn geprägt habe, sei er heute nicht mehr gläubig, erklärte Nuhr: „Beim Glauben an einen Gott, der irgendwo auf uns wartet, komme ich leider nicht mit. Dabei fände ich es eigentlich schön, so einen Betäubungsfaktor im Leben zu haben. Grundsätzlich haben meine vielen Reisen dazu beigetragen zu erkennen, dass es überall auf der Welt Menschen mit unterschiedlichen Göttern gibt, die genau wissen, dass ihre Vorstellung vom Schöpfer die einzig richtige ist.“

Seine vielen Reisen hätten ihn auch illusionsloser gemacht, sagte der 60-Jährige weiter: „Wenn man in Nepal gesehen hat, wie Kinder in 2000 Meter Höhe bei eisigen Temperaturen Autoreifen vor der eigenen Haustür verbrennen, weil sie für eine halbe Stunde mal warme Füße haben wollen, hat man gelernt, dass es woanders andere Prioritäten gibt als ungesunde Emissionen. Deshalb habe ich heute auch einen satirischen, weil illusionslosen Zugang zu der Sache.“

Dabei hatte Nuhr 1980 zu den Gründungsmitgliedern der Grünen gehört: „Ich war damals völlig überzeugter Öko, der glaubte, dass der Salat im eigenen Vorgarten die Welt rettet. Unter Weltrettung haben wir es damals nicht gemacht, deshalb muss ich heute auch furchtbar lachen über manches, was in Grünen-Kreisen so besprochen wird. Weil die Selbstüberschätzung von damals, diese grenzenlose Hybris, die in unseren Hirnen steckte, heute fröhliche Urständ feiert.“ Aus dieser Zeit bewahrt habe er sich allerdings den Glauben, dass individuelle Freiheit möglich sein müsse. „Im Gegensatz zu meinen Gesinnungsgenossen von damals, die heute in einer eher kollektivistisch denkenden Blase leben. Ich bin immer noch ein Mensch, der glaubt, dass jeder so leben sollte, wie er leben mag.“

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Vom Wahlkampf, den er als „etwas unfassbar Langweiliges“ empfinde, erhoffe er sich eine Debatte über Relativität, fuhr Nuhr fort: „Was können wir mit dieser Wahl überhaupt entscheiden? Es heißt immer ,Jetzt geht es um alles‘ – und genau das tut es nicht. Das kann Politik gar nicht leisten. Es geht nicht um die Weltrettung, weil es eine deutsche Wahl ist und nicht die Weltregierung gewählt wird. Also um die nächste Regierung des Landes, das zwei Prozent des weltweiten Klimagasausstoßes verursacht. Da sollte man die Relativität des Möglichen in den Mittelpunkt stellen. Das Klima wird auch die nächste Regierung definitiv nicht retten. Mangels Macht. Die Politik kann das Mögliche tun, aber auch nicht mehr.“

Nuhr, der schon mehrfach Ziel eines Shitstorms war, hat im Laufe der Zeit eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit solchen Aggressionen entwickelt: „Am Anfang denkt man, sie würden massiv schaden, weil sie das Opfer zur unmöglichen Figur machen. Das Ziel ist ja, eine Person zur Unperson zu machen und sie aus dem Diskurs zu entfernen, indem man sie etikettiert. Anfangs empfindet man es deshalb als Bedrohung. Aber irgendwann habe ich gelernt, dass das anders funktioniert und jeder Shitstorm auch dazu führt, dass sich viele Leute solidarisieren. Deren Anzahl ist sogar erheblich höher als die der Schreihälse. Ich muss mir also deswegen gar nicht so große Sorgen machen.“ Dennoch sei jeder Shitstorm immer wieder eine Herausforderung: „Es macht mich fassungslos, dass das, was ich sage, so viel Hass erzeugt. Es scheint Wahrheit darin zu stecken.“

Text-Quelle: ots (Neue Osnabrücker Zeitung)
Bild: M.T.Schunck

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