Vatikan-Experte Politi: Papst steuert Zickzackkurs -„Spaltung im Untergrund“ der katholischen Kirche

03.09.21 bis 30.09.22

Der renommierte Vatikan-Experte Marco Politi sieht bei Papst Franziskus trotz aller Widerstände einen ungebrochenen Reformwillen. „Franziskus ist wie ein Schiffskapitän in einem Ozean voller Eisberge“, sagte Politi der Kölnischen Rundschau: „Er steuert das Schiff manchmal in einem Zickzackkurs.“ Franziskus wisse aber, wo er hinwolle. Beispielsweise habe er im Umgang mit Homosexuellen „ein neues Kapitel aufgeschlagen“ und ihr Recht anerkannt, in einer Familie zu leben.

„Ein Papst ist nur allmächtig, wenn er konservativ ist“, sagte Politi: „Ein reformfreudiger Papst muss mit Opposition rechnen.“ So habe auf den Familiensynoden 2014 und 2015 das konservative Lager die Oberhand gewonnen. Bereits heute gebe es eine „Spaltung im Untergrund“ der katholischen Kirche: „Konservative Kräfte wollen keinerlei Neuerung, ob es um den Diakonat der Frau geht, um den Zölibat, um den Umgang mit Homosexuellen, um die Kommunion für Wiederverheiratete. Sie sind absolut dagegen.“

Die Entscheidung über die Rücktrittsangebote zweier Bischöfe im Zusammenhang mit der Missbrauchaufklärung im Erzbistum Köln und Konsequenzen aus dem Visitationsbericht schiebe der Papst allerdings „auf die lange Bank“. So habe er es allerdings auch in Lyon gemacht, am Ende habe dort Erzbischof Philippe Kardinal Barbarin gehen müssen. „Ich will nicht spekulieren, wie der Papst in den Kölner Fällen entscheiden wird, aber es gibt Präzedenzfälle.“

Mit einem Rücktritt von Franziskus rechnet Politi nicht, so lange der Papst gesundheitlich in der Lage ist, sein Amt auszuüben. Franziskus sei „entschlossen, bis zum Ende auf seinem Posten zu bleiben.“, so der Experte, der soeben eine neue Analyse zum Agieren des Papstes veröffentlicht hat („Im Auge des Sturms“, Herder Verlag): Die Leute, die über Franziskus‘ Rücktritt spekulieren, übersehen, was für große Zukunftsprojekte er vorantreibt.“Köln

ADCELL 146

Text-Quelle: ots (Kölnische Rundschau)
Bild-Quelle: youtube.com (user: euronews)

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